Border Community im Watergate Berlin

5 Jahre Watergate – Fairmont live und Labelchef James Holden himself, unterstützt von Sascha Funke, Geiger sowie Dave Turov und Robin Drimalski. Das zumindest waren die personellen Schlagworte eines Abends im Spätoktober und sie schienen eine geradezu magnetische Anziehungskraft zu besitzen. Jedem der gegen 1-2 Uhr vor dem Wassertor aufschlug wird es zunächst die Sprache verschlagen haben. Die sonst übliche Schlange (bis kurz vor das 103) „ergänzte“ sich um eine weitere Menschenansammlung, die bis weit auf die Oberbaumbrücke reichte. Nun ja, Berlin-Kreuzberg erwartete weder eine neuerliche Erweiterung der Media Markt Dichte, noch wurden irgendwo Bananen verschenkt… Hier wurde einzig und allein Einlass begehrt und bei gut 300 Menschen bedeutete dies allerdings auch automatisch erweiterte Anforderungen ans Stehvermögen.

Das verschobene electronic beats Festivals in Prag erlaubte es mir dem Geburtstagskind Watergate zeitnah gratulieren und einen nicht uninteressanten Abend mitnehmen zu können. Immerhin habe ich den guten James seit dem BPitch meets Border Community Abend anlässlich der Popkomm 2005 nicht mehr live hören können. Doch musikalisch riss ganz klar jemand anders an der Dachkonstruktion: Sascha Funke, der ab 1:00 den Hauptfloor in ein Reich des groovenden und emotionalen, jedoch auch druckvollen und extrem tanzbaren Deep House verwandelte. Er trumpfte nicht nur technisch auf indem er ein sauber gemixtes Set ablieferte, nein, er überzeugte vor allem durch passende Sounds, die er obendrein zum richtigen Zeitpunkt der Menge als neuen Satz glühender Kohlen unter unsere Füße packte. Selten ein solch gutes Eröffnungsset gehört… Zu meinem Erstaunen hörte man im Technosumpf Berlin den Mainfloor zu Housemusik johlen, welche, versetzt mit ein paar geradezu historisch anmutenden progressiven und tribalen Stilmitteln, ehrlich gesagt Erinnerungen weckte. Kündigt sich da etwa eine neue Renaissance an? Und das vielleicht sogar noch zu Gunsten einer Progressiv-Nudel wie mir?

Während Herr Funke in den oberen Rängen die Puppen tanzen lies, brachten zunächst Dave Turov und dann ein exzellent performender Alexander Geiger die Scheiben des unteren Waterfloors zum Wackeln. Unverständlich, wie das Paar Schwäne draußen auf der nahen Spree zu diesen Beats hatte schlafen können…, denn Herr Geiger zog alle Register in Sachen percussivem House und trommelndem Techno. Sein sympathisch interaktiver Live Act lies ganz schnell den Funken überspringen und verwandelte den Waterfloor in ein agil waberndes Etwas tanzender Menschen.

Inzwischen fiel „drüben“ mal wieder das beleuchtete „I“ im Logo von Universal Music aus. Dies muss wohl der Startschuss für Jacob Fairley gewesen sein, den wenig später die Lust am Live Act packte und den Mainfloor von Sascha Funke übernahm. Fairmont überzeugte durch eine sehr ausgewogene, sowohl schiebende als auch melodiöse Album Live Performance, die optisch und farblich von der LED-Decke des Watergates untermalt wurde. Persönlich habe ich die Decke des Mainfloors selten derart farbenreich und komplexere Animationen darstellend angetroffen. Jake, der spätestens seit seinem euphorischen Kracher „Gazebo“ kein unbeschriebenes Blatt mehr ist, präsentierte seine aktuelle LP „Coloured In Memory„, dessen Auskopplung „Flight Of The Albatross“ geradezu ein Paradebeispiel klassisch melancholischer Border Community Klänge ist. Vom künstlerischen Aspekt her ist seine Albumpräsentation eine mehr als hörenswerte Darbietung, vom Flow her hätte der Live Act jedoch ein wenig mehr Griffigkeit an den Tag legen können.

Etliche Mojitos und unzählige Biere später stand gegen 4:30 die nächste Zäsur auf dem Plan. Unten übernahm das Watergate-Eigengewächs Robin Drimalski die Regler, während die DJ-Kanzel des Mainfloor vom King of the Pixies geentert wurde. Holden spielte treibender allerdings weniger komplex als Fairmont, brachte aber selbstverständlich die ihm typischen dunklen, bratzigen Bassflächen zum Einsatz. Alles in allem war jedoch auch James‘ Set nicht so ganz und gar mitreißend. Es war tanzbar, es trieb einen endlos durch die frühen Morgenstunden, aber es fehlte der sonst so eigenwillige Border Community Mentalkick, der jedes Fass zum überlaufen bringt/zwingt und es vermag eine Clubnacht ins Gedächtnis einzubrennen.

Das Watergate beeindruckte an diesem Abend mit einem sehr angenehmen, entspannten Publikum, dessen gute Durchmischung sowohl weiblicher- als auch männlicherseits wieder einmal die etwas lange Schlange rechtfertigte. Ein willkommenes Goodie war die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit. Für die Einen eine zusätzliche Stunde Clubbing, für die Anderen bedeutete sie den Sonntag ein wenig relaxter angehen zu können.

Happy Birthday Watergate! Auf die nächsten fünf :-)

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