Anthony Pappa im Sfinks, Sopot (PL)

Nicht nur für Programmierer wäre das Folgende ein einfaches, jedoch eindeutiges Stückchen Logik: Wenn Pappa, dann Osteuropa, um nicht zu sagen Polen.

Seit einiger Zeit schon ist Anthony Pappa unter den Radiomoderatoren zu Hause. Wenn vielleicht auch nicht in verbaler Tradition der Moderation an sich, so lässt Tony den Protagonisten seiner Moments Show (die elektronische Musik) doch klar zu Wort kommen. Und wer den Sound von Moments mag, der hätte sich in jener Februarnacht ganz sicher musikalisch Hals über Kopf verliebt. Ergo: Moments pur, und das präsentiert auf einer sehr guten, druckvollen Anlage.

Hinter Progreacja stecken die gleichen Leute, die seit 2002 unter dem Namen TribaliS TotaliS Partys in ganz Polen veranstalten und Künstler wie Jonathan Lisle, Kasey Taylor oder Pete „The Shaker“ Bones ins Land holten. Damals wie heute trifft dieser Sound in ganz Polen auf Anhieb den Nerv der Zeit. Progreacja konzentriert sich dagegen voll und ganz auf den Sfinks Club in Sopot, einem Ostseebad in der Nähe von Danzig. Jener älteste und wohl bekannteste Club unseres östlichen Nachbarlandes feiert in diesem Jahr sein 14jähriges Bestehen. Das Sfinks ist ca. 150m von der Ostsee entfernt. Versuch Dir einfach das Gefühl vorzustellen, wenn man den Club in einer lauen Sommernacht oder aber zu Sonnenaufgang verlässt, um auf dem Strand zum Gezwitscher der Vögel und dem Klang der Brandung ein wenig zu chillen. Diese Hauptzutat ist es, die die Partys dort lang werden und nur wenig Leute vor 10 oder 11 Uhr nach Hause gehen lässt. Ein super geiler Ort um unsere Musik zu feiern.

Bis dato spielte Anthony zwei Mal in Polen, wobei sein 2005er Gig im Warschauer Klatka mit zum Explosivsten gehört, was die progressive Welt Polens bis dato so erlebte. Für unsere östlichen Nachbarn steht der Name Anthony Pappa vor allem für Eines: eine extrem tanzbare Mixtur elektronischer Klänge und Rhythmen, die zudem technisch perfekt ins Rennen geschickt wird, sowohl live auf dem Dancefloor als auch als Studiomix oder auf CD. Jene Mischung wurde am 02.02. pünktlich um 22:00 Uhr auf die Menschen losgelassen, als Quantum Mekk sein Warm-Up startete, um den Beginn der Nacht in einen progressiven Schleier aus kickendem Bass zu hüllen. Der Barbereich füllte sich bis dato nur schleppend. Ein wenig entstand schon der Anschein, dass der Abend vielleicht doch nicht so menschenreich verlaufen könnte wie ursprünglich erwartet. Doch weit weit gefehlt… Die Leute zog es vom Eingang und der Garderobe schnurstracks dorthin, wo gute Musik sie hinziehen sollte – auf die Dancefloorbretter, die die Welt bedeuten.

Während Quantum Mekk noch den einen oder anderen Break drin hatte, ging es dann ab 1:00 Schlag auf Schlag. Anthony ließ nicht locker und viel Zeit zum Verschnaufen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Drei Stunden lang stand kein Bein still, die Menschen auf der lichtdurchfluteten Tanzfläche sahen sich kontinuierlich von rollenden Rhythmen und tribalen Bassattacken durchmassiert. Tonys Wissen und vor allem sein exzellentes Rhythmusgefühl, aus der Zeit als er noch Drums spielte, lässt ihn heute dank moderner CD-Player-Technologien chirurgisch präzise Beats, ja sogar komplette Beatmuster manuell einstreuen, die jedes längere Break zum Zentrum eines neuen musikalischen Aufschwungs werden lässt. Und zack waren sie vorbei, die drei kurzweiligen und durchtanzten Stunden mit einem sichtlich der Interaktion mit den Fans frönenden Anthony Pappa. Es ist schon eine Weile her, dass ich, der Menge tanzender Menschen wegen, Kondenswasser von der Decke hab tropfen sehen…

Das Sfinks, eine kleine unscheinbare weiße Hütte im Park vor Sopots Ostsee, hat es definitiv faustdick hinter den Ohren. Berliner wird es von der Interieur her stark an das Sage erinnern. Leider steigt die Alkoholisierung einiger männlicher Besucher stark, um nicht zu sagen in Zehnerpotenzen an. Aufdringliche Leute, die zu früher Stunde nicht einmal mehr „Buddy“ und „Bunny“ auseinander halten können, trüben den Wohlfühlfaktor insgesamt ein wenig, sind aber auch überall antreffbar. Die dankbare bunte Mischung der Leute, sowohl in Sachen Geschlecht als auch altersmäßig, macht diesen kleinen Malus jedoch schnell wieder wett. Und Anthony Pappa ist sowieso immer eine Reise wert :-)

Anthony Pappa – Mann der Momente/Moments

Am 7. April 2008 wird Anthony sein neuestes Machwerk im Bereich CD-Compilation veröffentlichen. Ebenfalls “Moments” genannt, wird er uns auf eine 2 CDs umfassende Klangreise mitnehmen, die obendrein sogar von einem dritten Mix gerahmt wird. Jener dritter Mix wird als Download verfügbar sein.

Wer nicht direkt nach Danzig fliegen kann oder möchte, der kann seine Reise auch in Warschau oder Stettin starten. In beiden Städte kann man auf eine 4,5-stündige Zugverbindung nach Sopot zurückgreifen. Zudem ist Stettin nur eine kurze Autofahrt von anderthalb Stunden von Berlin entfernt.

Mehr Fotos gibt es auf Sound Revolt

Mehr aus dieser Kategorie