Border Community im Berliner WMF

James Holden und sein Label Border Community braucht man nicht mehr vorzustellen. Beide haben Maßstäbe gesetzt sowie ihre eigenen Stile ungeachtet von kurzlebigen Trends oder gesellschaftlichem Druck konsequent weiterentwickelt und haben die elektronische Musik so um eine ganz eigene Stilrichtung bereichert. Als Verstärkung für seinen Auftritt holte er sich Weggefährte Nathan Fake mit ins Boot der die Gehörgänge der Crowd im gut gefüllten Berliner WMF gehörig zum flattern brachte.

Alle zwei Jahre mal vorbeizugucken scheint James Holdens geheime Strategie zu sein um in der Deutschen Hauptstadt sagenumwoben zu bleiben aber nicht vergessen zu werden. Was die Auftritte in Berliner Gefilden anbelangt folgten die letzten Gastspiele des Border Community Zirkus mit einer Labelnight im Watergate 2007 und der Kooperation mit BPitch Control anlässlich der Popkomm 2005 genau jenem Turnus.

Der Warm-Up DJ müsste BassDee gewesen sein. Egal wer es war, Fakt ist, der Junge hat die Bude richtig gut eingegrooved und einen sehr guten Spannungsbogen von funky House bis hin zu schiebenderen Rhythmen gespannt. Der Start von Nathan Fakes einstündigem Live Act war natürlich dennoch klar hörbar. Vorbei sind die Zeiten als er mit schüchtern-nervösem Gesichtsausdruck aufs Display des Notebook schaute und wenig mit dem Publikum interagierte. Heute geht er zu seinem Live Act ab wie Schmidts Katze und die Schweißbänder an seinen Handgelenken bekommen ordentlich was zu tun.

Wer allerdings fein ausziselierte und Fake-typisch surreale Soundgeflechte à la The Sky was Pink oder Outhouse erwartete wurde ein wenig enttäuscht. Fake machte kein langes Federlesen und schoss schon bald aus allen Rohren wie das dem sicheren Untergang geweihte Schlachtschiff Bismarck im letzten Gefecht. Der Dancefloor war rappelvoll, die Leute nahmen Nathans Sound an und gingen ab, aber irgendwie schwebte (wohl auch einer gewissen derben Lautstärke geschuldet) das Damoklesschwert der schweren Kost über der Nacht. Das oftmalige Zerhacken des Flows und Einbeziehen des Glitch-Effektpanels tat sein Übriges dazu das Nathan der Weise Fake demnächst in Berlin wohl nur noch als Nathan der Laute gerufen werden wird.

Eigentlich gehört James Holden zu jenen DJs die ihr Set selbst zur Peak Time mit einem 10-minütigen rhythmuslosen Intro starten können ohne dafür gleich von den Massen gekreuzigt zu werden. Er kann eigentlich spielen was er will und die Leute nehmen es zu 99,9% an. Das James auf das Fake’sche Geballer allerdings derart unkompromitiv einsteigt hat dann doch stark überrascht. Und so scheuchte Holden die Leute über die Bretter als gäbe es kein Morgen, was umgehend Erinnerungen an sein legendäres, allerdings weitaus weniger technoides Set auf dem 2009er Audioriver Festival weckte.

Ein wenig anstrengend wurde es jedoch wenn beide Protagonisten jeweils Soundpassagen einstrickten, die das größtmöglichste Spektrum aller nur vorstellbaren Frequenz-Geräusch-Kombinationen anstimmten, und durch das auf voller Lautstärke laufendene WMF-Soundsystem direkt ins Stammhirn transportiert wurden; was man sich wie den Bau des Kanaltunnels vorstellen kann, wenn sich hartnäckige Acidsequenzen horizontal von einem Ohr zum anderen durch den Schädel bohren um in der Mitte des Clubber-Hirns Shake Hands zu feiern.

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