Eishöhlen und Fumarolen – Die vulkanische Seele Südkamtschatkas

Mutnowski und Goreli heißen die vulkanischen Protagonisten im Süden Kamtschatkas; zweite Orte, an denen viele der Touren durch Kamtschatka Halt machen und wo Menschen mit den zugegebenermaßen schwächeren Erscheinungsformen der größten Kraft auf unserem Planeten auf Tuchfühlung gehen. Im Süden liegt auch die Provinzhauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski nebst Vorort Jelisowo, dem Flugplatz der die großen und kleinen Flieger aus Moskau und anderen Orts kommend aufnimmt. Wohl einmalig auf der Welt ist der dortige Landeanflug, wenn man an der Spalier stehenden feurig roten Awatschinskaja Sopka und der majestätischen Korjakskaja Sopka entlang schwebt und gleichzeitig den ersten Kontakt zur vulkanischen Seele Kamtschatkas aufbauen kann. In Petropawlowsk-Kamtschatski ticken die Uhren merklich langsamer und speziell bei Wind und Regen vermischt sich das Wetter untrennbar mit dem rauen Charme der Marktfrauen.

Jelisowo – Kamtschatkas Tor zur Welt

Meine Maschine war bereits beim Abheben in Berlin um eine Stunde verspätet. Erst flogen wir 30 Minuten raus, jetzt aber verschimmeln wir auf dem Rollfeld von Moskau Domodedowo. 45 Minuten Nichtstun. Meine Transitzeit, um den Flug nach Kamtschatka zu erreichen, schmilzt auf 30 Minuten ein. Diesen Flieger zu bekommen ist eigentlich unmöglich, denn es gilt sowohl Pass- als auch Zollkontrolle zu passieren und zwischendurch auch noch das komplette Gepäck vom Band aufzunehmen. Ich renne, drängle mich am Schalter der Einwanderung vor, renne wieder gen Gepäckband und mache einen Kniefall samt Stoßgebet als mein Rucksack samt Ausrüstung als erster die Rampe empor kriecht.

Der Zoll winkt mich durch und ich kann erneut einchecken. Ich renne abermals und hechte wie Indiana Jones durch die sich schließende Tür des Gates. Geschafft! An Board! Hoffentlich auch mein Gepäck… Von Berlin nach Kamtschatka ging es mit TransAero und an Bord des Langstreckenflugs quält mich der Gedanke an die eventuell nicht mitgeflogene Ausrüstung die komplette Flugzeit über sehr, an Schlaf ist nicht zu denken. In Petropawlowsk-Kamtschatski angekommen, kämpfe ich mich durch den Wust von Menschen zum Gepäckband und wieder ist er der Erste auf dem Band… Mein Rucksack! Ein lautes „Jaaaaaa!“ entfährt mir.

Fotograf Denis Budkow holt mich vom Flugplatz ab und wir fahren zur Datsche von Oma Galina nördlich des Flugplatzes von Jelisowo. Ab und zu donnern ihr die Jets übers Dach, aber grundsätzlich ist es himmlisch ruhig. Die Hunde empfangen mich, oder kläffen sie nur des üppigen Abendessens wegen? Später stoßen auch meine Reisebegleiter Vulkanfilmer und Geonaut Marc Szeglat und Vulkanfotograf Martin Rietze, sowie Steffen von 360 Grad Ost hinzu, ein Potsdamer Fotograf der Kamtschatka schon mehrere Male bereiste. Der Sonnenuntergang setzt ein. Wir schnappen uns die Fotoausrüstung und lichten die Vulkane Korjakskaja Sopka (oder Korjakski – Корякская сопка) und Awatschinskaja Sopka (oder Awatschinskaja, bzw. Awatscha – Авачинская сопка) ab.

Speziell die Awatscha – übrigens einer der weltweit wenigen Somma-Vulkane, ein Vulkan der aus der Caldera eines historischen Vorgängers wächst – ist mit ihren wunderbaren Rottönen angestrahlt von der den Tag verlassenden Sonne und gerahmt von den unterschiedlichsten Wolkenschichten unheimlich fotogen. Die zahlreichen Fliegen, Gnitzen und Mücken die uns einrahmen, gehen uns allerdings gehörig auf den S***. Sie fliegen natürlich auch durchs Bild und werden zum Sensordreck anderer Art. Wir essen zu Abend, nächtigen und am nächsten Tag geht es mit Alexej auf die Reise zu den nördlichen Vulkanen.

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