Awatscha, das Rotkäppchen Kamtschatkas

Die Awatschinskaja Sopka – im Volksmund auch Awatschinski oder Awatscha genannt – ist der Hausvulkan im Hinterhof der Regionalhauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski. Er ist ein Somma-Vulkan; ein junger, ca. 4000 Jahre alter Feuerberg, der in der Caldera eines historischen Vulkans wächst und gedeiht. Das von ihm geförderte Magma beinhaltet einen hohen Anteil an Eisenerz das mit magmatischem Gas reagiert und Eisenoxide, speziell Eisen(III)-Oxid produziert. Letzteres verpasst dem Berg im wahrsten Sinne des Wortes ein feuerrotes Kleid.

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Selbst heute kann ich mich noch daran erinnern als ob es gestern war: Frisch auf Kamtschatka angekommen, sitze ich im Garten von Oma Galina und genieße wie die spätsommerliche Sonne durch die kleinen Birken mein Gesicht streichelt. Jäh, aber glücklicherweise kurz wird diese himmlische Ruhe von einem vom nahen Flughafen startenden Flieger zersägt. Witzigerweise ist es die B777 der TransAero die mich nach Kamtschatka gebracht und jetzt mit vollem Schub über mich hinweg zurück gen Moskau brettert. Mittlerweile sind auch meine Mitstreiter Marc Szeglat – Vulkanfilmer und Betreiber von www.vulkane.net – sowie Martin Rietze – Vulkanfotograf von Weltruhm – eingetroffen. Wieder höre ich Triebwerke. Wieder ballert ein Flieger tief über uns hinweg. Diesmal ist es allerdings die AeroFlot-Maschine denen Marc und Martin hier entstiegen sind.

Kurz darauf kommen wir mit dem Potsdamer Steffen Bohl in Kontakt, der uns von seinem Projekt 360° Ost erzählt. Auch er fotografiert. Während Steffen schwadroniert setzt der Sonnenuntergang ein und ich werfe einen Blick durch das Tor im hinteren Bretterzaun von Galinas Datscha. Der Blick schweift erst über ein Feld und wird dann von den circa 20 Kilometer entfernt thronenden Vulkanen Korjakskaja Sopka (links, 3456 Meter) und Awatschinskaja Sopka (rechts, 2741 Meter) hochgerissen. Was für ein Panorama! Was für Wolken! Was für Licht! Eine bessere Motivation seine Fotoausrüstung nebst Stativ binnen weniger Sekunden einsatzbereit zu haben gibt es nicht…

Während wir dort stehen und fotografieren gesellen sich, als ob wir uns tagelang nicht gewaschen hätten, mehr und mehr kleine wie große, summende und auch stechende Mietviecher zu uns. Djanga, Oma Galinas Drahthaar-Foxterrier, schnappt nach ihnen. Die fliegende Insektenplage schnappt nach uns. Marc kassiert die ersten und für den Rest der Bande glücklicherweise meisten Stiche :-) Dennoch ist es alles andere als ein Vergnügen die Biester in Ohren- und Nasenlöchern zu haben und auch meinen Mund lassen sie nicht in Ruhe. Sogar in den Fotos tauchen sie als schwarze unscharfe Punkte im Himmel auf.

Dem optischen Genuss und der Konversation mit Steffen tut das keinen Abbruch. Ich schnalle mir seine 300mm f/2.8er Festbrennweite vor die Kamera und merke bereits während des ersten Auslöser Drückens den Wunsch nach selbigem Tele in mir aufkommen. Dieser Wunsch erfährt im weiteren Verlauf der Expedition (zusammen mit Fotograf Denis Budkow)eine Bestätigung da wir noch viele Male merken, dass die Vulkanriesen von Kamtschatka eher ein Gebiet für Brennweiten größer 200mm sind. Die Luft ist unglaublich klar, wir haben die untergehende Sonne im Rücken und können die Awatscha und den Korjakski im besten Licht ungestört genießen.

Ohne Frage, ich liebe Kontraste und die Awatscha gibt an diesem Abend einfach alles… Das Rot und Schwarz ihres dramatisch zerfurchten Kraterbereichs wird von goldgelb leuchtenden Wolken umwabert und deutlich sieht man die große östliche Fumarole, welche mal stärker und mal schwächer vulkanischen Dampf in den Abendhimmel entschweben entlässt.

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