Salz mit Pfeffer – Die unterirdische Kapelle von Wieliczka

Im südpolnischen Wieliczka, dessen Name übersetzt so viel wie „Großes Salz“ bedeutet, gibt es ein UNESCO-Weltkulturerbe der ganz besonderen Art zu sehen: eines der ältesten Salzbergwerke der Erde in dem die größte unterirdische Kapelle der Welt, die zudem vollständig aus Steinsalz besteht, zu finden ist. Die Fahrt geht teilweise bis über 100 Meter in den Grund unter der Stadt Wieliczka, die ungefähr 20 Kilometer südöstlich von Krakau liegt und bequem mit dem Zug als Tagesausflug erreichbar ist.

Ohne ortskundigen Führer darf man nicht ins Bergwerk, deren unterirdische mehr als 300 Kilometer lange Wege man touristisch nur zu 1% sehen darf; zum Glück die wichtigsten Kilometer ;-) Neben der Schilderung der Geschichte der Salzmine gibt es am Ende des zweiten Drittels der Führung die gewaltige, dem Steinsalz abgerungene unterirdische Kirche zu entdecken, deren Schutzpatronin, die Herzogin Kinga von Polen, 1999 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde.

Während ihrer Arbeit haben Bergleute schon immer mit einem Bein im Grab gestanden. Als gebürtiger Rüdersdorfer – wo immer noch der Abbau genau jenes Kalksteins vonstattengeht, der einst das selbsternannte Hipster-Zentrum der Welt Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auferstehen ließ – weiß ich daher ein wenig um die starke Gläubigkeit der unter Tage und damit nah am Tod arbeitenden Männer.

Jener tiefe Glauben war die Antriebskraft eine der Salzkammern zur Kapelle auszubauen. Alle dortigen Bildnisse und selbst die Kronleuchter sind aus Salz, welches damals in Gold aufgewogen wurde. Phrasen wie „gesalzene Preise“ erinnern noch heute umgangssprachlich daran.

Die Salzvorkommen bzw. Salzsiederei sind in Südpolen bereits seit 3500 v. Chr. bekannt. Das Entdecken und Nutzen unterirdischer Salzvorkommen wird Kinga (auf Deutsch Kunegunde) angerechnet. Unweit des Salzbergwerks ist auch eine Saline zu finden/besichtigen.

Die zwei Bergwerke Wieliczka und Bochnia erwirtschafteten 35-40% des damaligen polnischen Inlandprodukts. Logischerweise waren beide Minen exorbitant wichtig für den Binnen- wie Außenhandel, was Kasimir den Großen veranlasste 1368 eine Bergordnung zu erlassen, die Produktion und Handel regelte. Die mit dem Salz generierten Einnahmen deckten u.a. die Baukosten für die Burg Wawel, die Krakauer Akademie sowie die Stadtbefestigungsanlagen. Eine im Bergwerk befindliche Statue erinnert an ihn.
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