Surferparadies am Timanfaya Vulkan – Unterwegs auf Lanzarote

Auf Lanzarote und der Nachbarinsel La Graciosa ist die vulkanische Herkunft der kanarischen Inseln am offensichtlichsten und jüngsten. 1730 riss eine gigantische Eruption das auf Eiland auf und schuf in nur 6 Jahren Bauzeit eine einmalig außerirdisch anmutende Landschaft. Lanzarotes Weinanbau in der Lavawüste ist weltweit einzigartig und ergänzt Fisch und Meeresfrüchte wie Faust und Auge während man am Atlantik-Ufer sitzt und erstklassigen Surfer zuschauen kann.

Lanzarote – Spaniens Heißsporn im Atlantischen Ozean

„Am 1. September 1730 zwischen 21 und 22 Uhr öffnete sich bei Timanfaya, nur zwei Wegstunden von Yaiza entfernt, die Erde. Binnen einer Nacht bildete sich ein gewaltiger Berg aus dessen Gipfel Flammen schossen, die weitere 19 Tage lang brannten. Wenige Tage später brach ein neuer Schlund auf …“, so beginnen die Schilderungen von Andrés Lorenzo Curbelo, dem damaligen Pfarrer von Yaiza.

Andrés hatte in jenen frühen Tagen der Timanfaya Eruption noch keine Ahnung was genau sein Herrgott da genau in Gang gesetzt hat und dass das noch 6 Jahre andauern wird. Am Ende einer der gewaltigsten Eruptionen, die die Menschheit je miterleben durfte, waren 167 km² Lanzarotes mit Lava bedeckt, deren Volumen epischen 8 Millionen, aus dem Erdinneren nach oben beförderten Kubikkilometern entsprach.

Die jüngste Eruption Lanzarotes datiert auf das Jahr 1824, als der Zündschlüssel für den kanarisch-vulkanischen Motor erneut gedreht wurde und der Volcán de Clérigo Duarte am 31. Juli eine 14 Kilometer lange Eruptionsspalte entstehen ließ um seine Lavamassen gen Punte del Cochino nicht nur ins Meer ergießen zu lassen, sondern final auch das Dorf Mancha Blanca zu bedrohen. Wie durch ein Wunder blieben die Lavamassen stehen und verschonten die kleine Gemeinde unweit Tinajo, wo die Verwaltung des Timanfaya Nationalparks zu finden ist.

„Auch heute noch ist Dampf auf dem Kessel“, grinst der Touristenführer in die versammelte Touristenmenge und wirft nur wenige Meter vor dem El Diablo Restaurant am Hilario-Aussichtspunkt eine Melange aus Papier und Reisig in ein Erdloch, wo jene leicht entzündbaren Dinge in Sekunden ob heißer vulkanischer Abgase schnell dem Raub der Flammen zum Opfer fallen. Guckt man sich die dortigen vulkanischen Schlackekegel aus der Luft an, sieht man schnell warum der Fachmann das Wort Eruptionsspalte in den Mund nimmt.

Wein in der Wüste

Das Lanzarote relativ spärlich bewachsen ist, ist nicht unbedingt der Lava Schuld. Es ist vielmehr der stetig von Afrika kommend über die Insel blasende trockene Wind der den Pflanzensprösslingen die ersten Lebensminuten schwer macht. Und Lanzarote ist auch die trockendste der Kanarischen Inseln. Wie zum Geier bekommt man unter diesen Bedingungen also Wein und Obst kultiviert? Das Weinanbaugebiet von La Geria tritt den Beweis an.

Die auf dem Boden wachsende Malvasia-Rebe wird gedeiht windgeschützt in einem Trichter aus Vulkanasche. Die Feuchtigkeit wiederum fängt die poröse Vulkanasche ein, leitet diese zum Boden des konischen Kraters wo eine Packung Lehm dafür sorgt, dass das wertvolle Nass nicht versickert sondern der Pflanze zugutekommt.

Schon Wahnsinn, auf was für Ideen der Mensch kommt. Und so sind die am besten wachsenden Pionierpflanzen des Vulkangebiets nicht die von Mutter Natur ins Rennen geschickten, sondern menschlich ersonnene Vegetation. Die Malvasia-Weine Lanzarotes können eine subtile Frucht im Bereich Apfel, Birne und Stachelbeere gepaart mit einer mineralisch-frischen aber potenten Säure vorweisen und bringen selten Stärken größer 13% auf die Alkoholwaage.

Der Weinanbau zeigt, die Canarios kuschen nicht grundsätzlich vor der vulkanischen Herkunft ihrer Insel sondern fördern ihre Kraft sehr fruchtbar zu sein und Neues entstehen zu lassen. Den Volcán El Cuervo zum Beispiel nutzen sie für Konzerte für Musik jeglicher Spielart. In der unmittelbaren Umgebung dieses Schlackekegels kann man, wenn man genau sucht und hinschaut, unzählige glänzende Olivine finden. Doch auch hier bläst der Wind gehörig über die Insel. Er kühlt die Steinsucher aus und peitscht ihnen vulkanische Asche ins Gesicht.

Surfen an rasiermesserscharfen Küsten

Ein anderes Markenzeichen Lanzarotes sind die schroffen Küsten der Insel. Man leidet förmlich mit, wenn man die Surfer vor La Santa barfuß erst einen Spießroutenlauf über extrem scharfes Lavagestein absolvieren müssen bevor sie sich in die Wellen stürzen können. Dann aber, in ihrem Element angekommen, legen einige von ihnen richtig los und reiten mit ein wenig Glück Wellen von bis zu 2.50 Metern Höhe ab.

Einige der Surfer vor La Santa haben Weltniveau. Es ist ein Hochgenuss diesen Menschen zusehen zu dürfen, wie sie, eins mit dem Board, Welle um Welle abreiten und dabei teilweise eine Akrobatik abliefern, für die man normalerweise hätte Eintritt zahlen müssen. Natürlich legen sich die Jungs und Mädels nochmal richtig ins Zeug, wenn ihnen ein Profifotograf zusieht der dann auch noch bereitwillig neue Fotos rausrückt ;-)

Ein anderer optischer Hochgenuss sind die Wellen an sich. Teilweise über tausende Kilometer reist diese Energie in Form rollenden Wassers über den gesamten Ozean um sich vor der Küste Lanzarote in den Felsentod zu stürzen. Scheint die Sonne durch das sich auftürmende Wasser, dann zieht die Natur alle Farbregister von Tiefblau über Türkis bis ins gleißende Weiß.

Der Ozean flutet dann auch jede noch so kleine Ritze des vor Formen nur so strotzenden Lavagesteins mit schäumendem Meereswasser. In diesem lebensfeindlichen Gelände gelingt es einigen verwegenen Pflanzen Halt zu finden, zu wachsen und die schwarzen Lavafelder grün zu punktieren. In den Küstenfelsen bilden sich wiederum zahlreiche kleine Meereswasserpfützen in denen unter anderem Tintenfische Zuflucht suchen. Die Einheimischen machen auch dort Jagd nach ihnen.

Mit einem Anteil von nur circa 26 Kilometern an der 213 Kilometer messenden Küstenlinie, was ein wenig mehr als 10% entspricht, sind Sand- oder aber Kiesstrände, wo man auch ins Wasser kann, rar gesät. Und wenn, dann gibt’s die echten Strände eher im Süden Lanzarotes. Eine Ausnahme bildet der Strand von Famara, wo man aber unweigerlich Opfer des omnipräsenten Winds wird, der dort, beschleunigt durch die gewaltige Felswand des Risco de Famara, zum alles wegpustenden Fallwind avanciert. Die aufgewirbelte Luft trägt den Sand bis weit ins Dorf, in Wohnzimmer und Küche. Ganz zu schweigen vom windbedingten Seegang, der oft Badeverboten führt.

Bergkamm mit Inselblick

Grundsätzlich ist die Brandung vor den Kanaren, so auch vor Lanzarote nicht zu unterschätzen. An nicht wenigen Stellen zieht sie Schwimmer gnadenlos aufs offene Meer. An den Los Hervideros, den „sprudelnden Kochlöchern“ sieht und spürt man die Kraft des Meeres eins zu eins, wenn Welle um Welle ungebremst gegen durch die Lavafelsen rollt und gegen das Gestein peitscht. Das stetige Anbranden ist so stark, dass es dem harten schroffen Lavafelsen derart stark zusetzen konnte um ihn für den Menschen begehbar auszuhöhlen.

Vor der Nordküste Lanzarotes liegt La Graciosa, die mit nur knapp 700 Menschen kleinste bewohnte Insel der Kanaren. Der Blick vom Mirador del Rio auf Lanzarote offenbart auch im Fall La Graciosas schnell die vulkanische Herkunft der Insel. In den Wintermonaten bläst der Wind dort aber noch gewaltiger und macht Flugsand zum ständigen Begleiter La Graciosas.

Vom Fischerdorf Orzola aus fahren regelmäßig verkehrende Fähren zum Eiland des Chinijo-Archipels, dessen Wasserversorgung über eine Pipeline durch den Ozean gewährleistet wird. Ihres Monopols, des steten Besucherstroms und der langen Mittagspause der Fähren bewusst, geben sich die Restaurants auf La Graciosa allerdings wenig Mühe. In La Santa oder Famara kann man wesentlich besser und preiswerter essen.

Apropos Essen… Auf Lanzarote gibt es endgeil schmeckenden und in Perfektion gegrillten Oktopus zu essen. Perfekt begleitet wird der Achtarmige von papas arrugadas con mojo, den typisch kleinen in Meersalzwasser zubereiteten kanarischen Kartoffeln nebst Mojo Picon oder Mojo Verde. Ein Gaumenschmaus, den man unbedingt probiert haben sollte, und den ich persönlich am leckersten in La Santa im El Barquillo serviert bekam.

Sieht man mal von den Supermärkten mit ihrem sehr deutsch geprägten Sortiment ab, dann ist der Ozean glücklicherweise immer noch die Hauptnahrungsquelle der Kanaren. Für den Nachschub an Tintenfisch & Co. sorgen die kauzigen Fischer in ihren kleinen, den Wellen trotzenden Schiffchen.

Was der Mensch vom Bejagen des Meeres zurück lässt, schnappen sich gierige Möwen, die auch schon mal schimpfend und prügelnd wie die Kesselflicker eine Futterneid getriebene Schlacht unter Artgenossen anzetteln. Die wunderschön bunt gefärbten und das Ufer besiedelnden Krabben ficht das alles nicht an. Stoisch genießen sie sicherlich auch jetzt gerade ihr Bad in der atlantischen Sonne der Kanaren.

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