Timo Maas im Tresor Berlin

Das Hannoveraner Musikschwergewicht Timo Maas ist ein gern gesehener Gast in Berlin. Sein Set im April 2003 in der Maria am Ufer, oder aber sein Gig im Juni 2005, als er das WMF Sommerlager zum explodieren brachte, sind noch immer unvergessen. Und genau jene Unvergeßlichkeit bescherte Timo eine Residency im erst kürzlich neu eröffneten Berliner Tresor. Satte 4,5 Stunden scheuchte Herr Maas mit seinem erdverbundenen und sehr groovigen Sound die Menschen über den Estrich des Batterieraums.

Wenn es jemand vermag im eigenwilligen Berliner Clubleben einen Dancefloor zu füllen und am brodeln zu halten, und das alles noch vor 1:00 Uhr, dann kann man dem nur noch Respekt zollen. Timo griff ganz tief in die Groovekiste und testete bei nicht mehr als 124bpm Bassfähigkeit und Druck des Soundsystems gründlich aus. Es war alles in seinem Repertoire, von dunkel groovendem Tribalhouse gewürzt mit Techno bis hin zu verspielterem House mit Acid-Elementen. Seine Mischung wurde dankend angenommen und verwandelte den Batterieraum bis in die frühen Morgenstunden in einen Hexenkessel. Der Kerl und sein Sound haben einfach mal eine fette 7,0 auf der nach oben offenen Richter-Skala verdient.

Tresor – erst ist genauso verwinkelt und mit Gittern verstrebt wie sein Vorgänger. Lichtstimmung und Soundsystem stehen der ehemaligen Behausung in der Leipziger Strasse in nichts nach. Vom Batterieraum kann man die monströse Halle sehen, deren Fotos vor der Eröffnung durch die Presse geisterten. Vom Chill-Floor aus kann man diese sogar über eine Art Balkon betreten. Die mit mystischem Licht und Pappfiguren ausstaffierte Betonpfeilerkonstruktion ist ein interessanter Gegenspieler zu den blitzenden Lichtern der beiden Dancefloors. Und auch die berühmte Plasmakugel aus dem Globus hat ein neues Zuhause gefunden und flackert wieder im Takt der Bässe.

Tresor – trotz aller Neuerungen blieben ein paar Sachen beim (bewährten?) Alten. Zumindest die Freundlichkeit der Security ist auf altbekannt schlechtem Niveau. Ein komischer Blick kann ausreichen um sogleich ein wenig Sympathie ausstrahlendes preußisches Statement entgegen geblafft zu bekommen. Erst neulich beschrieb eine große Berliner Tageszeitung das momentane Tresor-Publikum als eine „Akkumulation von glatzköpfigen Vorstadt-Nazis, die zum Glück durch wenige Durchschnittsclubber, Musikliebhaber und Touristen aufgelockert wird.“ Dieser Eindruck lies sich auch in jener Nacht nicht ganz von der Hand weisen. Leider können es die kalten Betonwände des neuen Tresors nicht mit dem altehrwürdigen Kellergemäuer in der Leipziger Straße aufnehmen. Das historische Flair ist zu Gunsten von verblendbaren Dingen wie Kabelkanälen, blechernen Lüftungsschächten und Sichtbeton vollends verloren gegangen. Nichts desto trotz bieten beide Clubräume einen nicht uninteressanten musikalischen Spielplatz, auf dem sich DJ wie Clubber gründlich austoben kann.

Ein Malus ist definitiv die Pfandregelung, da auf jegliches Gläserne mindestens ein zusätzlicher Euro erhoben wird. Zeiten wie mal eben schnell das Bier abstellen sind damit vorbei. Der Ärger über das abhanden gekommene Getränk kommt nun ungleich teurer daher. Ferner verklebt die Rückgabe des Pfands die ohnehin schon überlastete Bar noch zusätzlich. Natürlich beschert dies dem Club ein hübsches Zubrot, da Abend für Abend, Nacht für Nacht sicherlich nicht wenige Menschen diese Pfandregelung vergessen werden. Aber ist das Einsparen von vielleicht zwei Studentenjobs als Abräumer ein solches Gebahren wirklich wert?
Ein anderer Minuspunkt ist die Szenerie, die sich auf der sonst beschaulichen Köpenicker Strasse abspielt. Hier wurde sonst maximal rund um den Sage Club mal ein wenig lauter gesprochen. Die Anwesenheit des Tresors jedoch wird die Gemüter noch ordentlich erhitzen. Das Potential reicht von Ruhestörung, bis hin zum urinieren und kotzen in die Büsche und Hauseingänge rund um den Club. Ein widerliches real existierendes Nightlife-Szenario, welches mitten in Berlin eher Konfrontation statt Koexistenz bedeutet.

Fazit: der neue (alte?) Tresor birgt großes Potential, das auch Verbesserungen die es umzusetzen gilt mit einschließt. Die Marke Tresor mag zurück in der Bundesliga der Clubs sein, unter den Topteams ist sie allerdings noch nicht wieder angekommen. Persönlichkeiten und deren Einzelleistung, wie z.B. Timo Maas, werden jedoch maßgeblich dazu beitragen den Tresor zu glanzvollen alten Zeiten zu führen.

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