Layo & Bushwacka im SQ Club Poznan

Ein Ritt zu Layo & Bushwacka; nicht nach Rio, sondern nach Poznan, um Polens derzeit bekanntesten Club, das SQ, mal näher in Augenschein zu nehmen, und um mal persönlich, live und in Farbe rauszukriegen wer nun Layo und wer nun Bushwacka ist.

Die Option der Zugreise rückte durch einen abenteuerlichen Fahrplan1 der DB/PKP in weite Ferne. Wer hat schon Lust eine Clubnacht mit 4-5 Stunden Warterei auf den nächsten Zug nach Hause abzuschließen? Also Tank gefüllt, Luft auf die Reifen, Feuerlöscher2 eingepackt und ab nach Osten. Die 260km von Berlin nach Poznan klingen zunächst nach einem kurzen Ritt, können es allerdings in sich haben. Es ist schon eine völlig neue Erfahrung in Sachen Fahrgefühl, wenn man eine gute halbe Stunde lang hämorrhoidenartig am Hintern eines russischen 40-Tonners kleben darf, weil in Sachen Überholchance nicht mal ansatzweise was in Sicht kommt und der Herr vor einem die 40 Tonnen über den Asphalt scheucht als gäbe es kein Morgen. Kurz vor dem Ziel allerdings geht die Autobahn genannte Landstrasse in einen richtigen Highway über. Und nach dem 11 Zloty Maut fällig waren, kommt man dann auch schon in Reichweite Poznans. Wer der Strasse 430 folg, fährt schnurstracks auf das mit rotem Klinker verkleidete Einkaufszentrum zu, in dem sich das SQ befindet.

Das SQ ist in vieler Hinsicht sehr schick gehalten. Sei es nun das aufgeräumte Interieur, die schnieken Ledermöbel oder aber das in sämtlich verfügbare Garderobe gehüllte Publikum, das an besagtem Abend ganz sicher der kolumbianischen Volkswirtschaft unter die Arme griff. Und das nicht zu knapp… Denn genau jene Distanziertheit merkte man auf dem Dancefloor die ganze Nacht über. Musikalisch startete der Abend mit Glasse und Decoy, wobei die Verwendung des Begriffes “musikalisch” hier ein wenig hinterfragt werden muss. Es war schon funkiges House was da durch die Boxen an die Öffentlichkeit drang, aber zusätzlich alle 2 Minuten ein aufdringliches und vor allem albernes Vocal mit rein zu zimmern ist doch arg gewöhnungsbedürftig. Vor allem in Sachen Flow und wenn man weiss, dass die Herren nach einem nicht wirklich einen derartigen Sound spielen. Glasse selbst ist mir mehrere Male über den Weg gelaufen, am einprägsamsten als Warm-Up für Sander Kleinenberg oder aber als DJ mit Live Drummer nach dem Infusion Live Act auf dem Audio River Festival. Der Name Glasse steht durchaus für treibenden Rhythmus. Vielleicht mag er mit dem Duo Glasse & Decoy einen neuen Weg beschreiten, rhythmisch gesehen steht dieser Weg allerdings dem bisherigen Wirken konträr gegenüber.

Derart merkwürdig in die Clubnacht eingeführt, stellte die Übernahme der Decks durch Layo & Bushwacka eine ganz klar spürbare Zäsur dar. Jene die sich nach druckvollen Rhythmen sehnten drückten sofort auf die Tanzfläche, während der stocksteife, sich selbst feiernde Vocalmob schlagartig alles stehen und liegen lies, wenn nicht sogar den Club verlies. Wenn sich das Hauptgeschehen vom dancing Dancefloor auf den standing Standfloor verlagert, dann ist das schon ein kleines Todesurteil in Sachen Vibe, Atmosphäre und Stimmung. Was macht man da als nunmehr dem Global Underground zugeschriebenen DJ bzw DJ-Team das einen ganz bestimmten Sound fährt? Richtig, umschalten auf dort vor Ort garantiert funktionierende Musik. Das haben Layo & Bushwacka ohne zu sehr ihren eigenen Stil aufzugeben gut gemeistert, auch wenn das zu Lasten der Interaktion zwischen DJs und Publikum geschah. Bushwacka ging mit treibendem deutschen Techno in Vorleistung, während Lockenkopf Layo mit schiebendem House antwortete, das er live mit diversen Tools und Tracks aus dem Alternative Rock Bereich ausschmückte.

Sehr angenehm ist die separate und anspruchsvoll illuminierte Lounge im hinteren Teil des SQ. Hier “toben” sich die Downbeat-DJs und Chillout-Projekte dieser Welt aus, egal ob mit CDs, Vinyl oder der E-Violine. Licht und Klang auf dem Mainfloor hingen sind ein wenig mehr auf Abfahrt ausgerichtet. Wild zuckende Scanner in Augenhöhe bescheren der Netzhaut schon mal die ein oder andere Reizüberflutung.

Die Anlage ist druckvoll und klar, ermöglicht aber auch überall dort ungestörtes miteinder Quatschen, wo Ledermöbel und Tische statt tanzender Menschen anzutreffen sind. Das Soundsystem allerdings derart auf Anschlag zu fahren, dass jedes Hihat in den Ohren rasselt als hätte sich das Kleinhirn gelockert, trieb uns auf den Heimweg gen Berlin. Losteps “Burma”, oder aber Aphex Twins “Didgeridoo” im Autoradio plätschern zu haben, während hinter einem die Sonne spektakulär die ersten währmenden Strahlen ins Rennen schickt, ja, das ist schon was :-)

*1 Die Oderbrücke bei Frankfurt wird saniert. Das kostet Zeit…
*2 Feuerlöscher im Auto sind seit dem 1.1.2008 in Polen Pflicht. Bußgelder werden vor Ort nach Ermessen erhoben und können bis zu 80 Euro teuer werden.

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