Watergate von der Spree an die Maas umgezogen

Die in Berlin dargebrachten DJ-Sets des Herrn Maas sind fürwahr allesamt legendär… Im Rahmen der Connaisseur Nacht im Berliner Watergate, betrat der gebürtige Bückeburger endlich mal wieder die Bretter der Berliner Bühne, um ein alles andere als gebücktes DJ-Set abzuliefern.

Die Spree scheint eine besondere Beziehung zu Timo Maas zu haben. Oder er zu ihr? Glastonbury hin, Kazantip her, in Sachen DJ-Sets zumindest schlängelt sich die über Fürstenwalde daherkommende Wasserader geradewegs durch die Maas’sche Auftrittshistorie. Erinnert man sich an Timo Maas in der Maria am (Spree-)Ufer im April 2003, dann geht einem nur ein “Verdammte Hacke!” und gleichzeitig die Erinnerung an den grandios die Partycrowd durchpflügenden Track Der Schieber durch den Kopf. Und denkt man ans 2005er WMF Sommerlager nahe der Spree-überspannenden Jannowitzbrücke zurück, spürt man selbst heute noch jene musikalisch fesselnde Achterbahnfahrt in den Knocken, mit denen Herr Maas, und anschließend Loco Dice die Leute auf die Reise nahmen.

Wenn einem so viel Gutes widerfährt, dann ist das schon eine Residency, und vielleicht einen Asbach Uralt wert. Gesagt, getan, im neuen Tresor jedoch fanden die Maas’sche Chemie und das Publikum dank zentral-preußischer Reaktionsresistenz leider nicht wirklich zueinander (Artikel: Timo Maas im Tresor). Nach diesem kleinen, nun mittlerweile fast 2 Jahre zurückliegenden Intermezzo, zog es den Timo mal wieder an den Hauptstadtfluss, um uns in den heiligen Hallen des Watergate eines jener Sets zu liefern, über das man noch sprechen wird, wenn man bereits die eigenen Enkel ins Bett bringt.

Die erste Freitagnacht des 2009er Julis stand jedoch in erster Linie im Zeichen des Plattenlabels Connaisseur, das gleich fünf Protagonisten nach Berlin, in den bei den Usern des Resident Advisor drittbeliebtesten Club der Welt schickte. Und wie so oft war der Waterfloor der Startpunkt der Clubnacht. Dort packte der Watergate Resident DJ Sebastian Wilck die ersten Grooves aufs Parkett, während sich auf dem Mainfloor Label-Frontmann Alex Flitsch anschickte die Nacht einzuläuten.

Der seit 15 Jahren Platten drehende Flitsch hat dieses Jahr mit “Alex Flitsch meets…” eine Reihe von Produktionen initiiert, welche durch die Kollaboration mit Künstlern aus seinem Bekanntenkreis brillieren. Die Barcelona Session zusammen mit Audiofly ist bereits veröffentlicht worden, im frühen Herbst wird dann das Tête-à-tête mit Mutant Clan, dem gemeinsamen Projekt von Timo Maas und Sante Pucello, folgen.

Flitsch spielte ein herrlich grooviges Set, das vor allem durch eine hohe Diversität überzeugte. Ohne wirklich den treibenden Charakter des Tech House aus den Augen zu verlieren, brachten selbst funkig anmutende Scheiben die eher Techno-orientierte Crowd zum johlen. Gegen 3 Uhr trat dann Meister Maas hinter die Regler. Vom ersten Takt an spielte er eine progressiv angezeckte, tribal-hypnotische Techno-Mischung, die die Menschen von der Spree direkt nach Afrika, mitten in einen mythischen Regentanz ums Lagerfeuer katapultierte. Timo-Kenner meinten sogar er habe ein wenig geknüppelt ;-) Egal, jener Knüppel trieb die Leute sehr engagiert über die Bodenbretter des Mainfloors, und hielt erst inne, als sich die 6 Uhr Marke und der nächste Act, Mark August näherte.

Apropos Afrika – in Sachen Hitze konnte das Watergate in jener Nacht locker mit dem Schwarzen Kontinent mithalten. Zum Ende des Maas’schen Sets tropfte es von der Decke, ganz zu schweigen von allerorts komplett durchnässten Hemden und DJs mit Handtuch statt Künstler-Schal. Der Funke sprang derart gut über, dass die Kamera in die Ecke flog und nur noch gerockt wurde. Unglaublich, wie sehr Timos Sound, der vor allem aus eigenen, recht trommlig-groovigen Produktionen bestand, die Menschenmenge durchkochte. Noch unglaublicher war es mit anzusehen, wie gestandenes Technopublikum zu epischen Tracks wie Chinese Massage abging; ein Track den Maas obendrein mit gut 3-minütigem beatlosem Intro servierte. Das ist zeitloser Sound, der damals wie heute einfach nur funktioniert und eine ganz besondere Atmosphäre entstehen lässt, von der Berlin nur profitieren kann – ein Sound für Connoisseurs (Kenner) eben.

Der Tag danach stand ganz im Zeichen der Regeneration von Elektrolyt-Haushalt sowie Beinmuskulatur, und ein neues Hemd war auch nötig… Folgen, die man angesichts eines legendär-epischen Timo Maas Sets doch gern in Kauf nimmt :-)

Persönliche Anmerkung
Als Fotograf dringt man immer in die Privatsphäre einer Party ein. Das ist unvermeidlich. Bei Clubs wie dem Watergate, mit einem generellen Foto- und Videoverbot, ist das natürlich doppelt pikant und man wird relativ häufig mit den unterschiedlichsten Reaktionen konfrontiert. Die von mir gezeigten Fotos sind exklusiv und entstanden sowohl damals als auch heute immer in sehr enger Abstimmung mit dem Eigentümer und natürlich den Künstlern. Sie sollen den Spagat zwischen kompletter medialer Abstinenz und ein wenig fotografischer Präsenz wagen, ganz nach dem Motto: Hey, da gibts ja DOCH ein paar aktuelle Eindrücke zu sehen. Trotz des super dunklen Clubs, groovenden DJs und ständig wechselnden Lichtverhältnissen, verzichte ich ganz bewußt auf den störenden Blitz. Das macht sich auch bei bester technischer Ausgangslage natürlich in einem geringfügig höheren Maß an Bildrauschen & Unschärfen bemerkbar. Die Fotos konzentrieren sich ganz bewusst nur auf die Künstler, den Dancefloor und die Lichtstimmung. Bei mir braucht keiner Angst zu haben am nächsten Tag auf unliebsame Fotos zu stoßen, denn: what happens in the club, stays in the club!

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