Quadratisch, orientalisch, gut – Cordobas Mezquita

Was hat die zentraleuropäische Renaissance mit Südspanien und dem Orient zu tun? Geht man dieser Frage auf den Grund, kommt man an Andalusien und im Speziellen an Cordoba nicht vorbei.

Allerdings kann Andalusien im Frühjahr für Besucher auch zu einem recht preisintensiven Abenteuer ausarten. Die gesamte Hotelriege Cordobas zumindest lehnte meine Anfragen zum Thema Übernachtung für einen einzelnen Herren freundlich aber bestimmt ab. Einzige Ausnahme wäre, dass man ein Doppelzimmer bucht (zu doppelten Kosten) oder sich in einem mindestens 120 Euro pro Nacht teuren Edelbettentempel niederläßt. Mit finanziellen Kanonenkugeln nach Spatzen zu schiessen war nicht mein Ding und so degradierte ich Cordoba vom ein- zum keintätigen Stop runter, denn drei Stunden für die Mezquita, dem eigentlichen Grund warum ich Cordoba besuchen wollte, sind ein ausreichendes Zeitfenster um dieses Bauwerk kennenzulernen, fürs Erste.

Die Mezquita von Cordoba ist ein sehr interessantes Gebäude. Sie steht auf westgotisch-christlichen Fundamenten, auf denen von Abd ar-Rahman I. eine Moschee im Damaszener, genauer gesagt omayyadischen Stil errichtet wurde. Nach der Rückeroberung durch die Christen wurde zuerst nur an- bzw. weiter ausgebaut. Im 16. Jhd. jedoch entstand auf Wunsch von Bischof Alonso Manrique in der Mitte das gewaltige Kirchenschiff. Ähnlich der Hagia Sophia in Istanbul wurde die Mezquita durch diesen Schritt zu einem architektonischem Unikum, einem Zeitzeugen des Wandels und religiöser Einflüsse auf die Baukunst.

Betritt man die Mezquita durch die Puerta de las Palmas, so findet man sich sogleich im wohl bekanntesten architektonischen Element dieses Gebäudes wieder, dem filigranen Säulenwald, dessen „Baumkronendach“ aus einem Meer fein geschwungener rot-weißer Doppelbögen besteht. Folgt man der annähernd quadratischen Mezquita entgegen dem Uhrzeigersinn, so erläuft man sich auch die Geschichte dieses Baus. Die Säulen direkt hinter dem Eingang haben römische bzw. westgotische Wurzeln, während die darüber gespannten Bögen aus gelblichem Sandstein und roten Ziegeln bereits auf die Mauren zurückgehen. Von hier ist es auch nicht mehr weit bis der fein fayencierte Mihrab, die Gebetsnische ins Gesichtsfeld rückt. Die Nordseite der Mezquita ist der jüngste, allerdings auch nüchternste Teil des Baus. Viele Bau- und Stilelemente sind hier einfach nur noch auf den Stein gemalt worden.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, denn wer bis 10 Uhr kommt, für den entfällt der Eintritt in Höhe von 8 Euro um jene Melange aus Orient und Okzident, die wie kein zweites klassische Renaissance mit nahöstlicher Detailverliebtheit verheiratet, erkunden zu können. Für mich ging es allerdings am selben Tag ging es weiter… Schnurstracks nach Malaga, nach Algeciras, um von dort klassisch mit der Fähre von Europa nach Afrika zu einzutauchen.

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