Ostdeutschlands sowjetisches Erbe – Der Adlerhorst in Sperenberg

„Märkische Heide, märkischer Sand“ – davon handelt die Brandenburger Hymne. Von beidem gibt’s in Sperenberg südlich Berlins mittlerweile genug denn der Regisseur des einstigen großen Flugplatzes hört nicht mehr auf den Namen Sowjetarmee sondern Natur. Von der DDR für den großen sowjetischen Bruder erbaut, nutzten die Russen den Flugplatz bis ins Jahr 1994. Seitdem ist das riesige 24km² messende Areal dem Verfall preisgegeben.

Die Wege auf dem ehemaligen Kasernengelände sind mittlerweile fest im Griff der Nadelbäume und jeder Spieß würde wohl angesichts derart verwilderter Umstände gründlich austicken, aber das Kasernengelände Sperenbergs, das ursprünglich zur nah gelegenen Heeresversuchsanstalt Kummersdorf gehörte, ist ja nicht mehr im Betrieb. Eine große Halle zeugt noch von dieser Zeit; sie diente den in Sperenberg stationierten Pionieren und deren schwerem Gerät.

Sperenbergs Wege sind lang. Vom Kasernentor im Osten zum Ende des Flugplatzes sind es locker 6 Kilometer. Ein Weg, den meine Füße zweimal zurücklegten, sowohl hin als auch zurück, einmal im März mit Fotografenfreund Victor Boyko und dann bei wunderschönstem Herbstwetter zusammen mit Fotokumpel Torsten Goltz, der das unten folgende Panorama schoss.

Während im März das spätwinterlich diffuse Licht durch die geschlossene, bleierne Wolkendecke drang und die schwermütige Atmosphäre dieses verlassenen Ortes unterstrich, setzt der Herbst heute alles ziemlich farbenprächtig, ja, fast schon romantisch in Szene. Und so sind wir nicht die einzigen die in Sperenberg rumspazieren.

Zwischen beiden Besuchen liegt wenig mehr als ein halbes Jahr; eine kurze Zeit, in der der Verfall dennoch sichtbar seinen Tribut einforderte, zum Beispiel in Form des eingestürzten Dachs der Turnhalle mit dem Spruch „Fahnen hoch für den Armeesport“

Aber auch der Faktor Mensch setzt den Gebäuden zu. Vom zugewucherten Tower zum Beispiel – unvorstellbar, dass das Flugvorfeld vor 20 Jahren mal gänzlich unbewachsen war und man von dort ununterbrochen alles sehen konnte – ist außer den Grundmauern nicht viel übrig. Vandalismus sorgte für seine ganz eigene Definition von Entkernung.

Ich scheine nicht der Einzige zu sein der den Herbst genießt. Unglaublich aber war, irgendwie haben es ein paar Autos auf die ehemalige Rollbahn geschafft und spielen dort Scheibe statt Fahrtraining. Ob des verschlossenen und verschweißten Osttors stellt sich die Frage, wie die bloß hier raufgekommen sind???

Die Russen verließen Ostdeutschland maßgeblich über Wünsdorf, wo das Oberkommando der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) zu finden war. Sperenberg wiederum ist nicht weit von Wünsdorf gelegen und diente im Rahmen des Truppenabzugs als Hauptverkehrsweg Sachen auszufliegen.

Ein Zeitzeuge, damals im Rang eines Hauptfeldwebels, berichtete mir, dass die Piloten der großen Antonow An-124 und Iljuschin Il-76 nicht nur militärische Vehikel ausflogen sondern auch geklaute, private, mit 4 Rädern und bevorzugt Mercedes-Stern. Ein paar der Piloten haben sich damit eine goldene Nase verdient.
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